Einleitung

Über die Geschichte der Kampfkunst Capoeira gibt es viele verschiedene und auch sehr gegenteilige Meinungen. Die Geschichte der Capoeira liegt bis zum heutigen Tage stellenweise völlig im Dunkeln. Auch wenn der Ursprung weitgehend geklärt ist, so basieren doch viele Teile der Geschichte auf Vermutungen, Erzählungen und Mythen in denen ohne Zweifel auch einiges idealisiert wurde. Die Frühesten Geschichtlichen Aufzeichnungen gab es erst um 1770, lange nach den frühen Jahren der Sklaverei. Dann tauchen erst im 18ten Jh. neue Aufzeichnungen auf (Polizeiberichte aus Rio). Die Capoeira ist eine Kampfkunst die afrikanische Sklaven in Brasilien entwickelt haben, um sich gegen die Unterdrückung auf den Plantagen zu wehren. Da es den Sklaven nicht erlaubt war, Kampftechniken zu trainieren, tarnten sie die Techniken mit tänzerischen Bewegungen und begleiteten sich auf den traditionellen Instrumenten. Um die Capoeira-Spieler vor den Blicken der Aufseher zu verstecken, bildeten die anderen Capoeiristas einen dichten Kreis, die Roda.

 

Eine kurze Einführung in die Geschichte der Capoeira

 

Wie in den USA gab es auch in Brasilien während des 16. & 17.Jh. Sklaverei. Zunächst wurden dazu Indios benutzt die jedoch nach kurzer Zeit in der Gefangenschaft starben Der bedarf an Sklaven auf den Zuckerrohr- und Tabakplantagen war aber so groß, dass schätzungsweise über 2 Mio. Schwarzafrikaner nach Brasilien entführt wurden. Die Sklaven kamen aus verschiedenen Regionen Afrikas und hatten so verschiedene Kulturen und die Stämme waren teilweise auch verfeindet. Sie wurden auf drei Haupthäfen verteilt: Bahia, Recife und Rio de Janeiro Die Zeit die ein Sklave in der unmenschlichen Gefangenschaft überleben konnte lag zwischen 3 und 5 Jahren. Als den Sklaven die Unwiderruflichkeit und Aussichtslosigkeit ihrer Lage bewusst wurde begannen sie zu fliehen. Es kam zu ersten Revolten und immer mehr Sklaven entkamen in die Berge und den Dschungel. Dort bildeten sich dann die ersten Qulimbos (Wehrdörfer). Das größte dieser Qulimbos nannten sie Palmares (ca. 20 000 Einwohner) und konnten es fast ein Jahrhundert gegen die Angriffe der Sklavenjäger verteidigen. Dort gründete sich eine afrikanische Gemeinde mit unterschiedlichen kulturellen Tänzen Ritualen, Religionen und Spielen und erste Formen der Capoeira entwickelten sich.

 

Palmares

Immer mehr entkommene Sklaven kamen nach Palmares und so wuchs dieses Qulimbo rapide an. Palmares begann das Leben auf den Plantagen zu beeinflussen- es gab Angriffe und Widereingefangene Sklaven Brachten Capoeira in die Senzalas (Skalvenhütten) mit Lage der Plantagenbesitzer wurde immer brenzliger wirtschaftlicher Schaden 1630 Zweifrontenkrieg der Portugiesen mit Holland und den revoltierenden Sklaven. Nach dem Sieg der Holländer hörten die Sklaven nicht auf zu kämpfen. 1633 wurden Schwerbewaffnete Expeditionen gestartet um Palmares zu vernichten die ohne Erfolg blieben. Capoeira wurde zur Waffe und dem Symbol der Freiheit der Sklaven. Nur durch Verrat war es möglich die Bewohner von Palmares in einen Hinterhalt zu locken und die Siedlung zu vernichten.

 

Das Ende der Sklaverei

 

Nach 11 Rebellionen in 25 Jahren wurde die Sklaverei am 13. Mai 1888 abgeschafft. Die Ex-Sklaven kehrten zurück nach Afrika aber der größte Teil blieb in Brasilien, da ihre Arbeitskraft von den Pflanzern nicht mehr gebraucht wurde bildeten sich bald die Fawelas (Slums) um die großen Städte. Viele der Capoeiristas wurden kriminell, was um 1890 das Verbot von Capoeira nach sich zog. Capoeira ging in den Untergrund u. konnte nur noch heimlich trainiert werden.

 

Batizado & Apelido

 

In den Jahren des Capoeira-Verbots war es verbreitet das Capoeiristas 2 oder 3 Spitznamen hatten. Die Polizei kannte nur diese Apelidos, nicht aber die wirkliche Identität (Schutz vor Verhaftung). Diese Tradition wird bis heute Beibehalten wenn eine Person in die Familie der Capoeiristas aufgenommen wird, muss sie in einem feierlichen Ritual getauft werden und erhält so einen Apelido. 

 

Die Legalisierung der Capoeira

 

1937 erhielt Mestre Bimba, einer der Wichtigsten Capoeira Meister um seine Kunst in der Hauptstadt zu demonstrieren. Nach der erfolgreichen Vorführung erhielt er die Erlaubnis vom Präsidenten die erste Capoeiraschule zu eröffnen. Einige Jahre später verabschiedete der Senat einen Gesetzentwurf, der Capoeira als Nationalsport einführte.

 

Capoeira und Candomble

 

Candomble ist die afrobrasilianische Religion die mit der Capoeira am engsten verknüpft ist (neben Umbanda & Macumba). Sieht sich als Lebensform aus alltäglicher Praxis soz. Beziehungen Einbezug der Götter in den Alltag. Im Zentrum des Candombles stehen die Orixas, eine hierarchisch gegliederte Götterfamilie (etwa 100 bekannt). Jeder hat eigene Insignien, Rituale, Farben, Verehrungen und seine Entsprechungen in katholischen Heiligen. Trotz des Chritianisierungsprozess der die afrobrasilianischen Religionen Beeinflusst hat ist die treibende Kraft die Naturreligiösität der Afrikaner.

 

Die Schutzgötter der Capoeira

 

Olorum: er ist der Gottvater der Orixas und Sinnbild des Kosmos

Oxala: Sohn Olorums, Vater der übrigen Götter und Schöpfer der Menschheit, wird heute auch noch in Westafrika verehrt. Seine katholische Entsprechung ist der Senhor do Bonfim; Jesus als Schutzpatron von Salvador da Bahia.

Xango: Gott von Blitz und Donner (König der Nago) mit der katholischen Entsprechung des heiligen Hieronimus und der heiligen Babara (viele Orixas sind androgyne Wesen).

Ogun: Gott des Krieges und des Eisens mit dem kath. Pendant des heiligen Antonius.

Yemanja: Die Göttin des Salzwassers.

Exu: Botschafter und Vermittler zwischen den Gottheiten, hat 47 Gestalten.

Je nach grad der Religiosität Praktiziert ein Capoeirista auch die Rituale zu Ehren der Gottheit.

u.a. rituelle Waschung des Bodens bevor man die Roda betritt, um negative Einflüsse und böse Geister zu bannen, bekreuzigen bevor man in die Roda geht, zeichnen eines eigenen Symbols vor sich auf dem Boden um de Respekt vor den Göttern zu bezeugen oder diese um Schutz zu bitten Luta do Bode (wörtl. Kampf des Viehs).

Früher gab es einen Kampf, der einer Auseinandersetzung zwischen zwei Stieren glich. Die Kontrahenten durften nur den Kopf benutzen, um den Gegner anzugreifen und umzuwerfen. Der Kampf erhielt den Namen "dança do bode" (Stiertanz) oder "luta do bode" (Stierkampf), weil immer jemand schwer verletzt aus dem Kampf ging. Beim Angriff auf den Gegner stießen meist Kopf an Kopf zusammen, was gelegentlich sogar zum Tod eines Kämpfers führte. Vielleicht ist dieser heute wenig bekannte Kampf aus diesem Grund im letzten Jahrhundert ausgestorben.

 

Bate coxa

Dieser Kampf wurde vor allem von groß gewachsenen Schwarzen praktiziert. Er bestand darin, den Gegner mit Schlägen auf Oberschenkel und Gesäß zu Boden zu bringen. Gewinnen konnte nur, wer die Schläge aushielt und sich auf den Beinen halten konnte. Wer zu Boden ging hatte verloren. Oftmals wurden bei diesem Kampf auch Wetten um Geld, Wertsachen und manchmal sogar Frauen abgeschlossen.

 

Batuque

Dieser Kampf wurde auf zwei verschiedene Arten praktiziert. Die erste bestand darin, dass ein Kämpfer in der Mitte einer Roda stand, während sein Gegner versuchte, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und auf den Boden zu werfen. Die zweite bestand darin, den Gegner mit Bein- und Armschlägen außer Gefecht zu setzen. Dieser Kampf hat starke Ähnlichkeiten mit der Capoeira Regional. Der Vater von Mestre Bimba war ein großer Batuqueiro-Champion.

 

Bassula

Bassula ist ein afrikanischer Kampf, der darin besteht, den Gegner auf den Boden zu werfen und dort festzuhalten. Er wurde vor allem an der afrikanischen Küste praktiziert, denn der Sand bewahrte die Kämpfer beim Sturz vor Verletzungen. Dieser Kampf fand in Brasilien wenig Verbreitung und ist möglicherweise bereits mit den ersten afrikanischen Sklaven, die auf brasilianischem Boden ankamen, ausgestorben. Bassula entstand vermutlich in Luanda, der Hauptstadt Angolas.

 

Kamangula

Auch dies ein afrikanischer Kampf, eine Art Boxkampf mit offenen Händen.

 

NíGolo

Dieser Kampf, der auch "dança das zebras" (Zebratanz) genannt wird, ist ein ritueller Kampf der Bantu- und Mucupis-Völker. Wenn ein Junge ins Heiratsalter kam – normalerweise zwischen 12 und 15 Jahren – wählte sein Vater diejenigen Männer aus, die am meisten Besitz (Vieh, Land, etc.) hatten. Gegen diese Männer hatte der Junge nun seine Tapferkeit und damit seine Fähigkeit für seine zukünftige Frau zu sorgen unter Beweis zu stellen. Der Kampf gestaltete sich folgendermaßen: Zwei oder mehr Kämpfer griffen sich mit Kopf, Händen und Füssen an, wobei Hände und Füße am Boden blieben. Derjenige der zuerst am Boden lag oder den Kampf aufgab, brachte Schande über seinen Stamm. Der Sieger dagegen gewann die Braut.

 

Quarupe

Dieser Kampf indianischer Herkunft stammt von den Xingu, wo sich am Fest der Quarupe (Totenfest) zwei Indianer verschiedener Stämme gegenüberstanden. Ziel war es den Widersacher auf den Boden zu werfen und gleichzeitig die Hinterseite des Knies des Gegners zu berühren. Der Kampf wurde mit einem Punktsystem bewertet.

 

 

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